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Selbstverteidigungskurs für Mädchen Gewalt ist allgemein ein Tabuthema, aber nicht in Beromünster. In den Wintermonaten November und Dezember 2010 fand ein Selbstverteidigungskurs speziell für Mädchen statt. Das Thema allgemein war: Lerne deinen Körper zu schützen. Die drei Kurse wurden von dem erfahrenen Wing– Tsun Lehrer Günther König geleitet und von der Jugendanimation organisiert. Nach unserem Kurs trafen sich Günter und Judith von der Jugendanimation noch einmal für ein Interview, dass wir ihnen nicht vorenthalten wollen. Judith Reber (Jugendanimation): Was ist Wing- Tsun? Was sind Unterschiede zu Karate und Judo? Günter König (Wing-Tsun Lehrer): Wing- Tsun ist eine Kampfkunst aus China und heisst übersetzt schöner Frühling. Sie wurde von einer Frau entwickelt, um sich gegen stärkere Gegner zu wehren. Im Gegensatz zu Judo oder Karate ist Wing- Tsun kein Kampfsport es gibt also keine Wettkämpfe. Es wird mehr taktil gekämpft als visuell und die Kampfkunst ist ausgelegt auf gefährliche Situationen, in denen man im Alltag mit Gewalt konfrontiert ist. Im Wing- Tsun bestehen keine festgefahrene Regeln, alles ist erlaubt was hilft und somit sind eine Vielfalt an Bewegungsmuster möglich. Judith Reber Jugendanimation: Was bedeutet „es ist alles erlaubt“? Günter König Wing-Tsun Lehrer: Wenn es nötig ist, sich selbst oder sein Umfeld zu schützen muss man alle Möglichkeiten ausschöpfen die man hat. Wenn eine stärkere Person auf eine Schwächere losgeht, kann man sich nicht nur mit Fairness schützen. Judith Reber (Jugendanimation): Für welches Alter/ Personengruppe ist Wing- Tsun besonders geeignet? Braucht man bestimmte Voraussetzungen wie Beweglichkeit, Kraft oder Grösse? Günter König Wing-Tsun Lehrer: Man muss keine Voraussetzungen erfüllen für Wing-Tsun. Ich selbst unterricht Kinder und Erwachsene von 4- 65 Jahren. Es ist also für alle Interessierte, die flexibel sind. Judith Reber (Jugendanimation): Welche Themen wurden im Kurs behandelt? Günter König Wing-Tsun Lehrer: Der Unterricht wurde in die folgenden drei Themen aufgeteilt: 1. Greifen: Die Schüler haben gelernt was sie tun können, wenn sie gewürgt oder festgehalten werden. Der Schüler sollte wenn möglich reagieren bevor er fixiert ist. Generell gilt: Umso schneller ich die gefährliche Situation erkennt, desto schneller kann ich mich befreien. 2. Schlagen: Bei diesem Kurs haben sich die Mädchen Techniken angeeignet, wie man sich von Schlägen schützt. Auch was bedeutet es „im verhältnismässigen Rahmen“ zu reagieren. 3. Antibodenkampf: In dieser Stunde lernten die jungen Frauen wie sie sich schützen können, wenn sie am Boden liegen. Das Ziel ist es möglichst schnell wieder zu stehen oder nie am Boden zu landen. Wichtig ist es auf jeden Fall, wenn man am Boden ist den Angreifer auf Abstand zu halten. Judith Reber Jugendanimation: Haben die Mädchen nach dem Kurs eine Garantie, dass ihnen nichts passiert? Günter König Wing-Tsun Lehrer: Es gibt natürlich keine Garantie. Ich denke jedoch, umso mehr Übung desto weniger ist die Gefahr von einem Übergriff. In einer gefährlichen Situation, haben sie gelernt wie sie reagieren sollen. Das Ziel ist, dass ein Opfer möglichst automatisch reagiert. Wie fest die Bewegungsmuster automatisiert sind hängt von der Übung ab, also sollte man sie regelmässig wiederholen. Judith Reber (Jugendanimation): Wie war es für dich mit einer reinen Mädchengruppe zu arbeiten? Wie haben die jungen Beromünsterinnen auf dich gewirkt? Günter König Wing-Tsun Lehrer: Die Mädchen waren sehr interessiert, haben gut zugehört und mitgearbeitet. Anfangs hatte ich etwa bedenken, weil die Mädchen in einem schwierigen Alter sind,- aber ich war sehr positiv überrascht. Gerade weil die Gruppe nur aus Mädchen bestand, war die Stimmung entspannt und konzentriert. Wir konnten viele Übungen ausprobieren und es wurde viel gelacht. Judith Reber (Jugendanimation): Was glaubst du haben die Mädchen vom Kurs mitgenommen? Was ist dir wichtig deinen Schülern mitzugeben? Günter König Wing-Tsun Lehrer: Die jungen Frauen bekamen einen Einblick in das grosse Thema vom Wing– Tsun. Sie kennen Verhaltensmöglichkeiten, wie sie in schwierigen Situationen reagieren könne und haben weniger Angst, trotzdem möchte ich kein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln. Mein grösstes Ziel ist es, dass meine Schüler ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln, damit sie gerade durchs Leben gehen. Falls Jemand interessiert ist an einem Training: Günther König, Wing- Tsun- Schule Sursee/ Luzern, Tel: 076/423`69`96
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10 Tipps: So schützen Sie Ihr Kind vor Gewalt Die Kids-WingTsun-Verhaltensregeln für Kinder und Eltern erhöhen die Sicherheit. Kinder sind erwachsenen Angreifern körperlich immer unterlegen. Deshalb werden in den 500 Kids- WingTsun-Schulen in der Schweiz, Deutschland und Österreich Verhaltensregeln unterrichtet, welche die Sicherheit der Kinder erhöhen. Gemeinsam den Schulweg abgehen: Der kürzeste Weg muss nicht der sicherste sein. Kinder sollten Wege mit vielen Passanten nutzen, die sie im Notfall ansprechen können. Gehen Sie den Weg mit Ihrem Kind gemeinsam ab, zeigen Sie ihm Orte, beispielsweise Geschäfte, wo Ihr Kind im Notfall immer jemanden ansprechen kann. Ihrem Kind muss klar sein: „Ich darf diesen Weg nie verlassen und muss zügig nach Hause gehen“. Holen Sie sich Unterstützung: Eltern müssen Regeln für ihre Kinder aufstellen. Diese persönlich mit den Kleinen zu üben, ist oft schwer, denn Mama und Papa sind eben keine Fremden. Bitten Sie daher einen Bekannten, den Ihr Kind nicht kennt, bei einem Rollenspiel mitzuwirken oder wenden Sie sich an einen Kids- WingTsun-Lehrer. Goldene Regel bei allen Rollenspielen: Die Kinder müssen immer wissen, dass es sich um ein Spiel handelt und dürfen dabei nie Angst bekommen. Gruppen bilden: Sprechen Sie sich mit anderen Eltern ab, damit kein Kind den Schulweg allein gehen muss. Wichtig: Alle Eltern müssen dies mit ihren Kindern besprechen und ihnen klar machen, dass die Gruppe nie jemanden zurück lässt. Geheimnisse verbieten: Kinder lieben Geheimnisse. Genau das versuchen Täter auszunutzen. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es keine Geheimnisse gibt, die Mama und Papa nicht wissen dürfen, egal was ein anderer Erwachsener sagt. Namen auf Schultaschen vermeiden: Schreiben Sie den Namen und die Adresse Ihres Kindes niemals von aussen auf Schultaschen, sondern bringen Sie innen ein Schild an. „FEUER“-Schreien statt Hilfe! Sagen Sie Ihrem Kind, dass es im Notfall „ES BRENNT, ES BRENNT!“ schreien soll, das hilft mehr – und üben Sie es auch gemeinsam. Passanten einbinden: Üben Sie mit Ihrem Kind und einigen Bekannten, wie man gezielt Passanten um Hilfe bittet. Ihr Kind muss lernen, Einzelpersonen gezielt anzusprechen: "Sie dort in der roten Jacke, bitte helfen Sie mir. Dieser Mann verfolgt mich, ich habe Angst…" Codewort vereinbaren: Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind ein Codewort, für den Fall, dass Sie es nicht wie besprochen von einem Treffpunkt abholen können. Egal, ob Arbeitskollege oder Nachbar – nur wenn die Person das richtige Codewort nennt, steigt Ihr Kind zu ihr ins Auto. Rechte und Regeln erklären: Erklären Sie Ihrem Kind, was andere Erwachsene dürfen und was nicht. Besonders bei bekannten Personen, wie beispielsweise Nachbarn, sind viele Kinder zu vertrauensvoll. Stellen Sie klare Regeln für Ihr Kind auf, von denen es keine Ausnahmen gibt und üben Sie jede Regel als Rollenspiel. Distanz zu Fremden halten: Üben Sie mit Ihrem Kind Rollenspiele, Idealerweise mit einem anderen Erwachsenen, der Ihr Kind beispielsweise in ein Gespräch verwickeln möchte oder versucht, es ins Auto zu locken. Fragt ein Erwachsener nach dem Weg, muss Ihr Kind weitergehen und darf nur eine Antwort geben: "Ich bin ein Kind, fragen Sie einen Erwachsenen!" Über Kids-WingTsun: Kids-WingTsun ist ein Selbstbehauptungsprogramm für Kinder. Ziel des Trainings ist die Verteidigung gegen gleichaltrige Angreifer oder Erwachsene. Die Kinder lernen Verhaltensregeln für den Notfall und lernen, sich im Alltag besser durchzusetzen. Kids-WingTsun wird über 500 Mal in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich angeboten. Kids-WingTsun Schulen in der Schweiz: www.wingtsun.ch Weitere Informationen zu Kids-WingTsun unter: www.kids-wingtsun.ch  |